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Förderung und Weiterentwicklung einer Narkose- & Schmerzversorgung, die Tiere verdienen

Informationen für Tierbesitzer

Die nachfolgenden Informationen richten sich an:

  • Tierbesitzer
  • Tierhalter
  • Tierpfleger
  • Trainer

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Wissenswertes, wenn Ihr Tier einer Narkose unterzogen werden muss

Die nachfolgende Information basiert auf unseren Erfahrungen bei NARKOVET CONSULTING® und Empfehlungen der amerikanischen Tierärztekammer (American Veterinary Medical Association (AVMA)), des American College of Veterinary Anesthesia and Analgesia (ACVAA) und des Verbandes amerikanischer Kleintierkliniken (American Animal Hospital Association (AAHA)) und kann zum Teil auch auf den Webseiten dieser Organisationen abgerufen werden.

Wenn Ihr Tier einer Narkose unterzogen werden muss

Veterinärmedizinische Eingriffe bei Tieren müssen regelmäßig in Vollnarkose durchgeführt werden (zum Beispiel: zahnmedizinische, chirurgische oder auch manche diagnostische Untersuchungen). Vereinfacht ausgedrückt ist eine Vollnarkose ein Zustand kontrollierter Bewusstlosigkeit. Die Wahrnehmung Ihres Tieres wird so kontrolliert gedämpft, dass es nicht mehr Schmerzen spürt und sich nicht mehr willentlich bewegt. Das Ziel muss sein, eine bestmögliche Hemmung der Schmerzempfindlichkeit und von Abwehrbewegungen während der diagnostischen Intervention oder des operativen Eingriffs zu erreichen, denn solche Prozedere erfordern eine hohe Präszision und plötzliche Bewegungen des Tieres können unter Umständen schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen. Die meisten gesunden Tiere verkraften eine Vollnarkose ohne Probleme und daher hängen im allgemeinen die begleitenden Risiken meist weit stärker von dem operativen Eingriff und dem allgemeinen Gesundheitszustand Ihres Tieres ab, als von dem Narkoseverfahren selbst.

Die meisten von uns sind nervös, wenn wir uns selbst einer Allgemeinanästhesie unterziehen müssen, und so ist es sehr verständlich, dass wir uns auch Sorgen machen, wenn unser Tier narkotisiert werden muss. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat die Wissenschaft der Veterinäranästhesie enorme Fortschritte gemacht und Verfahren entwickelt, die sicherer denn je zuvor sind, und ein gut ausgebildetes Team an Tierärzten und tiermedizinischen Fachkräften kann das Narkoserisiko für Ihr Tier noch weiter reduzieren. Es gibt auch zunehmend mehr Spezialisten für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, die Beratungsdienste anbieten und anästhesiologisch als Konsulartierärzte ihre Leistungen vor Ort anbieten. Diplomates des ACVAA oder ECCVAA oder Fachtierärzte für Anästhesiologie (FTÄ-A) bzw. Fachtierärzte für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie (FTÄ-AIS) haben eine erweiterte Fachausbildung im Fach Anästhesie abgeschlossen und anschließend eine Prüfung erfolgreich abgelegt. Viele von ihnen bieten Hilfe und Beratung auf Anfragen von Ihrem Tierarzt/Ihrer Tierärztin an und sind bereit auch Ihnen Auskünfte zu geben.

Wie jeder medizinische Eingriff, ist auch die Allgemeinnarkose mit Risiken und Problemen verbunden. Diese können von eher geringerer Bedeutung wie mildes Erbrechen vor Einleitung der Narkose oder nach dem Aufwachen aus der Narkose sein, aber auch zu lebensbedrohlichen Situationen wie Atem- oder Herzstillstand führen. Anästhesie-bedingte Todesfälle sind insgesamt selten, und doch können Komplikationen auftreten. Ein gut vorbereitetes Team wird jedoch alle notwendigen Vorkehrungen vorab treffen, um im Eventualfall fachgerecht zu reagieren und so sicherzustellen, dass Ihr Tier die Narkose auch sicher übersteht. Die Risiken einer Anästhesie sollten immer gegen die Vorteile des geplanten Eingriffs abgewogen werden, aber auch Risiken und Vorteile der Alternativen zu einer Allgemeinnarkose berücksichtigt werden. In wirklichen Notfallsituationen, in denen das Leben Ihres Tieres gefährdet ist, sind die mit der Narkose verbundenen Risiken in der Regel minimal im Vergleich zu dem Risiko, wenn Ihr Tier keiner Notoperation unterzogen wird. Sollten Risiken bei elektiven Eingriffen vorliegen, bietet sich dagegen immer noch die Option an, die Narkose zu verschieben. Diese können durch eine zielgerichtete Behandlung vor der Narkose und dem operativen Eingriff reduziert werden.

Vor der Narkose

Bevor Ihr Tier anästhesiert wird, wird Ihr Tierarzt/Ihre Tierärztin oder das Narkoseteam eine gründliche Allgemeinuntersuchung durchführen, seine Krankengeschichte in Augenschein nehmen und alle möglichen Risikofaktoren diskutieren. Ihr Tierarzt/Ihre Tierärztin mag auch Blutuntersuchungen vornehmen und/oder andere der Situation angepasste diagnostische Tests an Ihrem Tier durchführen, um es auf etwaige Gesundheitsprobleme oder ein erhöhtes Narkoserisiko hin zu überprüfen. Nach den Ergebnissen all dieser Untersuchungen wird die körperliche Verfassung Ihres Tieres nach einem international anerkannten und von der amerikanischen Gesellschaft für Anästhesiology (American Society of Anesthesiologists, kurz ASA) entwickelten Stufenschema beurteilt. Dieses Schema umfasst 6 Kategorien (ASA Klassen I-VI), von denen fünf auch für die Tiermedizin relevant sind. Sie reichen vom physisch gesunden Patienten (ASA-Klasse I) bis zum systemisch schwerkranken (ASA-Klasse IV) oder im Sterben liegendern Patienten (ASA-Klasse V), der höchstwahrscheinlich keine 24 Stunden überleben wird, wenn er nicht einer Operation umgehend unterzogen wird. Das Narkoserisiko ist bei Patienten der Klassen ASA III-IV natürlich höher als bei Patienten der ASA-Klassen I und II. Allerdings bestimmt auch die Art des bei Ihrem Tier geplanten chirurgischen Einriffes und die Natur seiner Grunderkrankung, wie hoch das Narkoserisiko einzuschätzen ist, denn selbst Tiere der ASA-Klassen I-III können bei sehr großen operativen Eingriffen einem hohen Risiko ausgesetzt sein. Auch mag das Risiko von Tierart zu Tierart und manchmal von Rasse zu Rasse innerhalb der gleichen Tierart unterschiedlich sein. Wenn Sie Fragen zum Gesundheitszustand Ihres Tieres oder zum Narkoserisiko haben, fragen Sie einfach Ihren Tierarzt/Ihre Tierärztin und/oder den Veterinäranästhesisten oder das Narkoseteam; dies wird Ihnen helfen, eine fundierte und richtige Entscheidung für Ihr Tier zu treffen.

Jeder Besuch beim Tierarzt, unbekannte Menschen, fremde Gerüche und andere Tiere im Warteraum oder anderswo in der Praxis oder Tierklinik sowie der ungewohnte Umgang des Praxis-/Klinikpersonals mit Ihrem Tier können ziemlich stressig sein. Daher ist es notwendig, die meisten Tiere vor der Narkose zu sedieren, um sie ruhig zu stellen und ihren Stress abzubauen. Basierend auf der Krankengeschichte Ihres Tieres und den Befunden der Voruntersuchung wird das Tierärzte- und Narkoseteam bestimmen, welche Medikamente zur Sedierung und Narkose am besten geeignet sind. Auch wird üblicherweise ein Venenkatheter vor der Narkoseeinleitung gelegt, um die intravenöse Verabreichung von Flüssigkeiten und Medikamenten zu ermöglichen. Das Anästhetikum zur Einleitung der Narkose wird üblicherweise in die Vene verabreicht, und dann die eigentliche Narkose mittels Gabe eines Narkosegases über einen Atemschlauch (Endotrachealtubus), einer Dauertropfinfusion eines Injektionsanästhetikums oder einer Kombination der beiden aufrecht erhalten.

Während der Narkose

Während der Vollnarkose sollte Ihr Tier auf seine Vitalfunktionen hin so überwacht und versorgt werden wie dies in etwa auch in der Humanmedizin üblich ist. Hierzu mögen Ihrem Tier intravenöse Flüssigkeiten und/oder Medikamente zur Stützung des Kreislaufs und des Blutdruckes verabreicht werden. Das Legen eines Atemschlauches (Endotrachealtubus) in die Luftröhre Ihres Tieres erlaubt das Narkosegas und den Sauerstoff über die Lunge zu verabreichen. Die kontinuierliche Elektrokardiogramm (EKG)-Aufzeichnung dient der ständigen Überwachung des Herzrhythmus bei Ihrem Tier während der Narkose. Zusätzlich sollte die wiederholte oder kontinuierliche Messung von Blutdruck und Körpertemperatur zur Standardüberwachung Ihres Tieres während der Narkose gehören und optimalerweise auch die Atemgasmessung. Zur Routineüberwachung gehört auch die Pulsoxymetrie, mittels derer die Sauerstoffsättigung des arteriellen Blut Ihres Tieres und die periphere Gewebedurchblutung kontrolliert werden können. Wärmende Decken helfen dabei eine Unterkühlung zu verhindern oder doch zu begrenzen. Bei komplexen Eingriffen oder wenn Ihr Tier wirklich sehr krank ist, können zusätzliche Überwachungsmaßnahmen wie die Blutgasanalyse, Messung lungenmechanischer Parameter (Spirometrie) und die Bestimmung der Herzauswurf- oder Herzpumpleistung (d.h. des Herzminutenvolumens) herangezogen werden, um die lebenswichtigen Organfunktionen Ihres Tieres während und nach der Vollnarkose effektiv im Blick zu halten.

Nach der Narkose

Sobald der Operateur seine Arbeit beendet hat oder die Untersuchung unter Allgemeinnarkose zu Ende geführt wurde, ist es Zeit für Ihr Tier aus der Narkose aufzuwachen. Hierzu wird Ihr Tier je nachdem in einen ruhigen, halb-dunklen Käfig, Zwinger, Stall oder Aufwachraum verbracht. Tiere sind auch in dieser Phase noch zeitlich engmaschig zu überwachen, wobei ein besonderes Augenmerk der Beurteilung von Schmerzäusserungen gilt. Nur so kann sichergestellt werden, dass sie normal aus der Narkose aufwachen und schnell Hilfe zur Verfügung steht, sollte es zu irgendwelchen Problemen kommen. Bei Klein- und Jungtieren mögen Kissen und Decken verwendet werden, um das Tier während der Aufwachphase bequem zu lagern und warm zu halten, denn es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Tier während der Aufwachphase beginnt zu zittern; jedoch bedeutet dies nicht immer auch, dass Ihr Tier friert. MancheTiere vokalisieren auch während der Aufwachphase, was häufig als Stressreaktion bzw. Schmerzäusserung interpretiert wird, aber bisweilen auch nur eine Nebenwirkung bestimmter Anästhetika sein kann. Bei Pferden oder anderen Großtieren und manchen Wildtierarten muss besonders auf die Qualität der Aufstehphase geachtet werden, da sie sich dabei relativ häufig verletzen können oder andere tierarten-spezifische Komplikationen wie Atemnot, Muskeldurchblutungsstörungen, Nervenlähmungen, etc. entwickeln können. Der Endotrachealtubus wird dann erst entfernt, wenn Ihr Tier wach genug ist, um normal schlucken zu können. Je nach Zustand Ihres Tieres mögen auch Flüssigkeiten und/oder Medikamente in der Aufwachperiode weiter verabreicht werden.

Abhängig von dem unter Narkose durchgeführten Eingriff und dem Gesundheitszustand Ihres Tieres kann es im Laufe des Tages nach Hause entlassen werden (d.h., sobald es angemessen aus der Narkose aufgewacht ist) oder es muss möglicherweise zur weiteren Beobachtung und Behandlung in der Praxis/Klinik verbleiben.

10 Fragen an Ihren Tierarzt, bevor Ihr Tier einer Narkose unterzogen wird

Noch vor wenigen Jahren haben viele Tierärzte abgelehnt an Tierpatienten zu operieren, die sie als zu alt oder zu krank betrachteten als dass sie den Stress der Narkose und/oder des chirurgischen Eingriffs hätten tolerieren können. Heutzutage können jedoch Tiere eines jeden Alters - vom Neugeborenen bis zum sehr alten Tierpatienten - und in jedem Gesundheitszustand - also sowohl gesunde wie auch sehr kranke Tierpatienten - erfolgreich einer Narkose und einem chirurgischen oder diagnostischen Eingriff unterzogen werden.

Nachfolgend sind 10 Fragen aufgelistet, die Sie Ihren Tierarzt fragen mögen, bevor Sie der Durchführung des bei Ihrem Tier geplanten Eingriffes unter einer Allgemeinnarkose zustimmen.

  1. Ist eine Vollnarkose wirklich erforderlich, um das geplante Prozedere bei meinem Tier durchzuführen?

    Viele chirurgische Eingriffe oder diagnostische Maßnahmen, die bei Humanpatienten durchgeführt werden, bedürfen lediglich einer Sedierung mit oder ohne lokaler bzw. loko-regionaler Anästhesie (Nervenbetäubung). Tierpatienten dagegen tolerieren dies häufig nicht und bedürfen daher einer Allgemeinanästhesie. Nichtsdestotrotz wurden in der jüngeren Vergangenheit Methoden der Ruhigstellung von Tieren sowie verfeinerte Techniken der lokalen bzw. loko-regionalen Anästhesie und Analgesie entwickelt, die heutzutage Tierärzten ermöglicht weit mehr Eingriffe an Tieren vorzunehmen, ohne dass diese unbedingt anästhesiert werden müssen. Die Entscheidung, ob eine Sedierung mit oder ohne Lokalanästhesie-Technik als Alternative zu einer Allgemeinnarkose für Ihr Tier in Frage kommt, wird von Ihrem Tierarzt oder dem Veterinäranästhesisten im Team auf Grundlage der Voruntersuchungen und des geplanten Prozedere getroffen. Es ist aber wichtig festzuhalten, dass auch Sedierung und eine lokale oder loko-regionale Anästhesie bzw. Analgesie mit Risiken verbunden sind und diese gegen die Vorteile solcher Methoden aufzuwiegen sind. Dies gilt natürlich auch für eine Vollnarkose.

  2. Wer wird die Narkose oder Sedierung bei meinem Tier durchführen?

    Es ist wichtig herauszufinden, wer die Narkose oder Sedierung Ihres Tieres durchführt und für die Betreuung Ihres Tieres während dieser Zeit verantwortlich sein wird. Unter optimalen Umständen wird ein Fachtierarzt für Anästhesiologie (FTA-A), ein Fachtierarzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie (FTA-AIS) oder ein Diplomate des American oder European College of Veterinary Anesthesia & Analgesia (ACVAA oder ECVAA), d.h. ein Doktor der Veterinärmedizin mit Spezialausbildung in der Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, die Narkosebetreuung Ihres Tieres persönlich vornehmen oder das Narkoseteam, das sich um Ihr Tier kümmert, beaufsichtigen. Je nach Praxis- oder Kliniksituation mögen dem Narkoseteam meist junge Tierärzte in ihrer Ausbildung zum Fachtierarzt, andere Tierärzte oder examinierte tiermedizinische Fachangestellte (TFAs) bzw. veterinärmedizinisch-technische Assistenten (VMTAs) angehören. In den meisten Praxen und Tierkliniken steht bislang kein FTA-A oder FTA-AIS zur Verfügung und so wird die Narkoseversorgung durch ein Mitglied des Narkoseteams meist von einem Tierarzt, der in einer der anderen klinischen Disziplinen wie Chirurgie, Augenheilkunde, Zahnmedizin, Radiologie oder bildgebende Diagnostik, Inneren Medizin, etc. spezialisiert ist oder von dem Tierarzt, der den Eingriff selbst durchführt, beaufsichtigt. Entscheidend ist, dass alle an der Narkosebetreuung Ihres Tieres beteiligten tiermedizinischen Fachkräfte eine angemessene Ausbildung in der Anästhesie und Schmerztherapie erhalten haben und dies auch für Sie als Tierbesitzer sichtbar dokumentiert werden kann, denn die Narkosebetreuung durch eigens hierfür weitergebildetes Fachpersonal bietet ganz offenkundige Vorteile und eine höhere Sicherheit. In einigen Ländern wie den USA und Kanada, Großbritannien, den Niederlanden oder der Schweiz werden oft hochqualifizierte Fachangestellte oder Praxisassistenten/innen mit ausgewiesener Weiterbildung in der tierärztlichen Anästhesie (mit Zertifikat) beschäftigt, die dieTiere während der Narkose unter Aufsicht des für die Durchführung der chirurgischen oder diagnostischen Eingriffs verantwortlichen Tierarztes betreuen. Solche Ausbildungen werden heutzutage auch im deutschsprachigen Raum angeboten. Fragen Sie Ihren Tierarzt/Ihre Tierärztin, ob auch er/sie solche Fachkräfte mit Zertifikatsausbildung beschäftigt oder einen FTA-A oder FTA-AIS hinzuzuziehen bereit ist.

  3. Wie häufig treten schwere Komplikation während einer Narkose auf?

    Bessere Medikamente, fortschrittliche Anästhesiemethoden und moderne Überwachungstechniken haben maßgeblich dazu beigetragen, Narkosen wesentlich sicherer zu machen als dies noch vor ein paar Jahrzehnten der Fall war. Daher sind Tierärzte heutzutage in der Lage selbst sehr alte und kranke Tierpatienten erfolgreich und schonend zu betäuben. Somit stellt sich heute mehr die Frage, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mein Tier als Folge sowohl der Anästhesie als auch des chirurgischen Eingriffes Komplikationen entwickelt. Ihr Tierarzt/Ihre Tierärztin sollte in der Lage, diese Frage nicht nur im Allgemeinen, sondern auch gezielt für die Situation in der jeweiligen Praxis oder Klinik zu beantworten.

  4. Welche Informationen benötigt Ihr Tierarzt/Ihre Tierärztin, Veterinäranästhesist oder das Narkoseteam?

    Sie werden über die allgemeine Gesundheit Ihres Tieres, seines Körpergewichts, und seines Fress- und Trinkverhaltens befragt. Sie werden wohl auch aufgefordert, Angaben zu machen über alle Medikamente, die Sie ihm gegenwärtig verabreichen, etwaige frühere Erkrankungen oder Verletzungen, an Ihrem Tier früher einmal durchgeführte Operationen, mögliche Anästhesie-bedingte Komplikationen in der Vergangenheit oder Anzeichen einer Belastungsintoleranz. Die Organe, die während einer Narkose am ehesten in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt werden können und daher während der Anästhesie besonders aufmerksam überwacht werden müssen, sind das Gehirn, das Herz, die Lunge, die Leber und die Niere. Präoperativ angeordnete Blutuntersuchungen und andere Tests können dabei helfen, die Funktionsweise dieser Körpersysteme vor Einleitung der Narkose zu beurteilen und dienen Ihrem Tierarzt oder dem Narkoseteam ein für Ihr Tier optimales Narkoseprotokoll zusammenzustellen. Ein FTA-A, ein FTA-AIS oder ein Diplomate des American oder European College of Veterinary Anesthesia & Analgesia (ACVAA oder ECVAA) hat eine Ausbildung erhalten, um selbst bei schwerstkranken, schwerverletzten, sehr jungen oder sehr alten Tieren eine den Patienten schonende Betäubung durchzuführen und Komplikationen fachgerecht zu begegnen, sollten sie einmal auftreten.

  5. Welche Medikamente, wenn überhaupt, wird mein Tier vor der Narkose erhalten?

    Basierend auf der Voruntersuchung und Krankengeschichte Ihres Tieres entscheiden Ihr Tierarzt/Ihre Tierärztin und/oder das Narkoseteam, welche Medikamente am besten als Prämedikation vor der Narkoseeinleitung geeignet sind, um Ihr Tier ruhig zu stellen und seine Schmerzen zu lindern. Bei Großtieren ist es in der Regel weder für das Tier noch das tierärztliche Personal sicher, eine Anästhesie ohne vorherige Sedierung und Schmerzlinderung einzuleiten. Abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung oder Verletzung (zum Beispiel Knochenfraktur in einer Gliedmaße) mag es auch sinnvoll sein, die Narkose erst nach Anlegen von Gurten oder nach Plazierung des Tieres gegen einen Kipptisch einzuleiten, um das Auftreten eines weiteren Traumas oder eine Verschlimmerung einer Fraktursituation zu verhindern. Ein FTA-A, FTA-AIS oder ein Diplomate des American oder European College of Veterinary Anesthesia & Analgesia (ACVAA oder ECVAA) mit Erfahrungen in der Großtieranästhesie ist in der Regel mit diesen Methoden vertraut. Je weniger gestresst und schmerzhaft das Tier ist, desto geringer können die Anästhetika dosiert werden und desto schonender wird die Narkose verlaufen. Unmittelbar vor der Narkose werden oft auch antimikrobielle und entzündungshemmende Arzneistoffe verabreicht. Fragen Sie Ihren Tierarzt/Ihre Tierärztin oder den Veterinäranästhesisten im Team, welche Medikamente das Narkoseteam plant einzusetzen, so dass Sie Probleme, die Ihr Tier vielleicht in der Vergangenheit mit einem oder mehreren dieser Mittel gehabt hat, berichten können.

  6. Soll ich Medikamente vor der Narkose meines Tieres absetzen und für wie lange vor der Narkose sollte mein Tier kein Futter mehr aufnehmen?

    Verschiedene Tierärzte können unterschiedliche Meinungen zu der Frage nach dem Absetzen von Medikamenten haben, und die Antworten mögen davon abhängen, welche Arzneistoffe in welcher Dosierung Sie Ihrem Tier regelmäßig verabreichen. Deshalb ist es wichtig, Ihrem Tierarzt/Ihrer Tierärztin alle Arzneimittel zu benennen, die Ihr Tier routinemäßig verabreicht bekommt, und nach Anpassung der Medikamentendosierung am Abend und Morgen vor der Narkose zu fragen. Es ist daher immer eine gute Idee, eine Liste von Medikamenten und der Dosierungen sowie eine schriftliche Zusammenfassung von Erkrankungen Ihres Tieres und bisherige tierärztliche Behandlungen mitzubringen, wenn Sie den geplanten Eingriff an Ihrem Tier mit Ihrem Tierarzt/Ihrer Tierärztin besprechen. Wie lange vor der Narkose Futter und Wasser ihrem Tier entzogen werden sollen, variiert maßgeblich von Tierart zu Tierart und mit dem Alter, und auch dann gibt es eine gewisse Flexibilität. Somit ist das Beste, Sie fragen Ihren Tierarzt/Ihre Tierärztin oder das Narkoseteam nach einer Anweisung, die Sie dann strikt befolgen.

  7. Muß ein Atemschlauch (Endotrachealtubus) während der Narkose und Operation gelegt werden?

    Für die meisten großen Operationen unter Vollnarkose einschließlich Zahnbehandlungen ist ein Endotrachealtubus erforderlich. Normalerweise wird er nach Einleitung der Narkose durch den Kehlkopf in die Trachea (Luftröhre) vorgeschoben. In Vollnarkose ist Ihr Tier bewusstlos und nimmt solche Prozedere nicht mehr wahr. Für viele kleinere Eingriffe oder diagnostische Untersuchungen mag eine tiefe Sedierung allein genug sein und ein Endotrachealtubus ist oft nicht nötig. Dennoch mag die Anreicherung der Atemluft mit Sauerstoff und somit die Verwendung einer Sauerstoffmaske oft gerechtfertigt sein, so wie es während der Nakose auch gerechtfertigt ist. Das sedierte Tier ist in einem halbbewussten Zustand, in dem es nicht nur chirurgische oder diagnostische Maßnahmen besser toleriert, sondern auch meist weniger Schmerzen wahrnimmt. Es gibt drei Stufen der Sedation: oberflächliche, moderate und tiefe Sedierung. Auch wenn Ihr Tier nur einer Sedierung unterzogen wird, sollten Sie sich erkundigen, wer in dieser Periode den Grad der Sedierung und die Vitalfunktionen (Herz-Kreislauf und Atmung) bei Ihrem Tier überwachen wird. Wenn Tierärzte oder tiermedizinisches Fachpersonal Ihnen in der Vergangenheit schon einmal mitgeteilt haben, dass Ihr Tier bei einer Operation schwierig zu intubieren war, so teilen Sie dies bitte Ihrem Tierarzt/Ihrer Tierärztin oder dem Veterinäranästhesisten im Team mit, damit diese entsprechende Vorkehrungen treffen können und spezielle Ausrüstung bereitstellen, um eine Intubation bei Ihrem Tier schnell und reibungslos durchführen zu können. Hunde und Katzen der brachyzephalen Rassen (Hunde: Malteser, Mops, Englische Bulldogge, Französische Bulldogge, Boston Terrier, Boxer, Shih-Tzu, Pekinese, Chihuahua, King-Charles-Spaniel, Belgische Zwerggriffons (Griffon Belge, Griffon Bruxellois, Petit Brabançon), Yorkshire-Terrier, Zwergpinscher; Katzen: Perserkatze, Exotische Kurzhaarkatze, Britisch Kurzhaar) sind häufig nicht einfach zu intubieren. Dies gilt auch für sog. Kehlkopfpfeifer unter den Pferden, die an einer halbseiten Kehlkopflähmung leiden, oder für asiatische Hängebauchschweine, die bisweilen als Haustier gehalten werden.

  8. Welche Vitalparameter werden während der Narkose meines Tieres überwacht?

    Um Narkose- und perioperative Komplikationen so gering wie möglich zu halten, betonen Experten immer wieder die Bedeutung einer kontinuierlichen und technisch anspruchsvollen Überwachung der Tierpatienten während der Narkose, nicht anders als es Anästhesiologen in der Humanmedizin fordern. Richtlinien des American College of Veterinary Anesthesia & Analgesia und ähnlicher tierärztlicher Verbände wie der Gesellschaft für Pferdemedizin werden schon seit 1995 publiziert und regelmäßig aktualisiert. Diese Leitfäden fordern für die Überwachung der narkotisierten Tierpatienten eine kontinuierliche Aufzeichnung des Elektrokardiogramms (EKG) und wiederholte oder kontinuierliche Messungen des Blutdruckes, der Atemfunktion (Atemfrequenz und Atemvolumen) und der Blutsauerstoffsättigung mit regelmäßiger Datenaufzeichnung in Form eines Narkoseprotokolls (alle 5-10 Minuten), dies insbesondere, wenn der Gesundheitszustand der Tiere eingeschränkt ist (Klassifizierung als ASA III-V-Status) oder sie einer Inhalationsnarkose unterzogen werden oder die Narkose länger als 45 Minuten andauern wird. Diese weit anerkannten Richtlinien verlangen auch, dass für einen jeden Tierpatienten ein Tierarzt oder eine tiermedizinische Fachkraft abgestellt wird, die den Tierpatienten während der gesamten Anästhesie versorgt und überwacht und ihn auch während der Aufwachperiode aufmerksam beobachtet und auf jedwaige Probleme und Schmerzäusserungen achtet. Fragen Sie Ihren Tierarzt/Ihre Tierärztin oder den Anästhesisten wie die Überwachung Ihres Tieres während und nach der Narkose gehandhabt wird und wer dies primär tut.

  9. Wie wird sich mein Tier nach der Narkose erholen?

    Erwachen aus einer Narkose kann für Tiere ziemlich beängstigend sein, weil sie nicht verstehen, was gerade mit ihnen geschehen ist oder sie in einer ihnen nicht vertrauten Umgebung aufwachen. Deshalb wird Ihr Tierarzt/Ihre Tierärztin und das Narkoseteam Ihr Tier auch in der Aufwachphase sorgfältig überwachen und nach Anzeichen von Schmerzen Ausschau halten. Viele Faktoren haben einen Einfluss darauf, wie sich Ihr Tier in dieser Periode verhalten wird. Zum einen spielt der Charakter eines jeden einzelnen Tieres eine Rolle, aber auch Arten-, Rassen-, Geschlechts-und alters-spezifische Faktoren spielen eine Rolle. Zusätzlich können die Grunderkrankung Ihres Tieres, der chirurgische Eingriff oder die diagnostische Untersuchung selbst, die Art des verwendeten Narkoseverfahrens und die Länge der Narkose wie auch eventuell früh auftretende Schmerzen Einfluss haben. Auch Umweltfaktoren wie Lärm, Temperatur und Helligkeit im Aufwachraum beeinflussen die Qualität des Aufwachens aus der Narkose und das Verhalten Ihres Tieres in dieser Periode. Ihr Tierarzt/Ihre Tierärztin, der Anästhesist oder die Anästhesiepfleger können Ihrem Tier in dieser Phase in vielerlei Hinsicht bei der Rückkehr zum normalen Wachzustand und Aufrichten helfen. Dies kann auch die Bereitstellung von Kissen oder Matratzen oder Decken einschließen, die Ihrem Tier helfen bequem zu liegen und es warm halten. Zusätzlich können ihm Medikamente gegeben werden, um Erregungserscheinungen zu dämpfen oder Schmerzen zu lindern, die nach der Eliminierung der Anästhetika vom Körper Ihres Tieres auftreten können. Auch direkte physische Hilfestellungen beim Aufrichten Ihres Tieres nach der Narkose gehören zu dem Repertoire an Hilfeleistungen des Narkoseteams. Für Großtiere wie Pferde wurden spezifische Techniken entwickelt, um bei Bedarf einem Tier in der Aufwachphase beim Aufstehen zu helfen und auf die Beine zu kommen. Diese Methoden sollen auch helfen das Risiko von Verletzungen in dieser Phase zu reduzieren. Auch fortgesetzte Sauerstoffverabreichung und eine Fortsetzung der intravenösen Infusion von Flüssigkeiten und anderen Medikamenten mögen notwendig sein, um Ihrem Tier zu helfen, sich möglichst komplikationsfrei von der Narkose zu erholen. Fragen Sie Ihren Tierarzt/Ihre Tierärztin oder das Narkoseteam, wie Ihr Tier während der Aufwachphase behandelt werden wird und welche Vorsichtsmaßnahmen erwogen werden, um Komplikationen zu verhindern oder zu behandeln, sollten sie auftreten. Dies gilt insbesondere auch für Pferde und andere Groß- oder Wildttiere.

  10. Wie wird bei meinem Tier der Schmerz während und nach der Narkose und Operation behandelt?

    Sofern ein Veterinäranästhesist für die Sedierung und Narkose Ihres Tieres verantwortlich ist, wird dieser Experte auch maßgeblich entscheiden, welche Schmerztherapie in der Phase unmittelbar vor, während und nach der Narkose bei Ihrem Tier durchgeführt wird. In anderen Situationen sind der Tierarzt/die Tierärztin, der oder die die Aufsicht über das Narkoseteam ausübt und/oder der, der den operativen Eingriff oder die diagnostische Untersuchung vornimmt, für die Schmerzversorgung bei Ihrem Tier verantwortlich. Schmerzmittel, die bereits im Rahmen der Prämedikation vor Einleitung der Narkose oder während der Narkose als intravenöse Infusion oder wiederholte Injektionen gegeben wurden, können dazu beitragen, den Bedarf an Narkosemitteln und die Wahrnehmung von Schmerzreizen während der Operation deutlich zu reduzieren. Ganz ähnlich erlaubt eine lokale Nervenbetäubung, die die Reizwahrnehmung im Operationsfeld komplett oder nahezu vollständig ausschaltet, die Dosierung und den Bedarf an Narkosemitteln deutlich zu reduzieren. Das gleiche gilt für Methoden der loko-regionalen Anästhesie oder Analgesie. Je niedriger die Menge an Narkosemitteln ist, die IhremTier verabreicht wird, desto geringer ist auch das Risiko, dass sie schwerwiegende Nebenwirkungen hervorrufen und somit ist auch das allgemeine Narkoserisiko geringer. Die gleichen schmerztherapeutischen Maßnahmen, die vor oder während der Narkose vorgenommen wurden, werden häufig auch in der frühen postoperativen Periode eingesetzt, aber je nach Schmerzäusserungen Ihres Tieres in der postoperativen Periode mag auch die alleinige Verabreichung von Aspirin-ähnlichen Medikamenten als Schmerzbehandlung ausreichen. Bei deutlichen Schmerzen kann auch eine Rüchenmarksanästhesie oder lokale Nervenblockade oder die Anwendung von sog. "Schmerzpflastern" in Betracht gezogen werden. Wie Ihr Tier im Einzelfall schmerztherapeutisch behandelt wird, entscheidet Ihr Tierarzt/Ihre Tierärztin bzw. das für die Narkose verantwortliche Team. Linderung von Schmerzen und Stress vor,während und nach einem chirurgischen Eingriff ist eine Priorität eines jeden Anästhesisten und des Narkoseteams. Fachtierärzte für Anästhesiologie, FTÄ-AIS oder Diplomates des American oder European College of Veterinary Anesthesia & Analgesia (ACVAA oder ECVAA) besitzen Spezialkenntnisse auf dem Gebiet der Schmerztherapie. Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt/Ihrer Tierärztin und lassen sich Antworten auf die genannten Fragen geben. Die Information über den geplanten Eingriff und die anästhesiologische und schmerztherapeutische Versorgung Ihres Tieres wird Ihnen sicher helfen die Behandlung Ihres Tieres noch einmal in aller Ruhe zu überdenken und dann eine fundierte Entscheidung zu treffen. Wenn der Gesundheitszustand Ihres Tieres ein höheres Narkoserisiko nahelegt, oder bei Ihrem Tier früher bereits einmal Narkosekomplikationen aufgetreten sind oder aus anderen Gründen seine Narkoseversorgung eine besondere Herausforderung darstellt, vieleicht auch gerade aus schmerztherapeutischer Hinsicht, fragen Sie Ihren Tierarzt/Ihre Tierärztin, ob er nicht einen FTA-A, FTA-AIS oder einen Diplomat des American oder European College of Veterinary Anesthesia & Analgesia (ACVAA oder ECVAA) zu Rate ziehen oder Ihr Tier an eine tierärztliche Einrichtung überweisen möchte, in der ein FTA-A, FTA-AIS oder ein anderer Anästhesie-Spezialist sich Ihres Tieres annehmen kann. Ihr Tierarzt kann auch jederzeit unsere Spezialisten bezüglich der Anästhesie- und Schmerzversorgung bei Ihrem Tier ansprechen.

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