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Informationen für Tiermedizinische Fachangestellte

Aufgabenstellungen und Weiterqualifizierung von tiermedizinischen Fachangestellten auf dem Gebiet der Veterinäranästhesie: heute und morgen

Fortschritte der Veterinäranästhesie und ihre Auswirkungen auf die Aufgabenstellungen einer(s) tiermedizinischen Fachangestellten

Seit den frühen Tagen der Veterinäranästhesie vor 50-60 Jahren hat sich der Standard der Anästhesie und Schmerzversorgung beim Tier enorm weit entwickelt. Zu Beginn stand noch primär die Ruhigstellung von Tieren zwecks Ausführung operativer Eingriffe im Vordergrund, oft unter Vernachlässigung einer gezielten Überwachung. Dagegen gilt es heute unter den Bedingungen der modernen Tiermedizin mit fortschrittlicher Diagnostik und Therapie Kombinationsnarkosen unter Einbeziehung von Analgetika und Lokalanästhetika einzusetzen. Diese erlauben eine Herz, Kreislauf, Atmung und andere Organe schonende und daher wesentlich risikoärmere Anästhesie und dies auch beim alten oder sehr kranken Tier. Parallel mit diesen Fortschritten hat sich die Medizintechnik weiterentwickelt, so dass heute moderne, aber auch technisch viel komplexere Narkosegeräte und Überwachungsmonitore vielerorts eingesetzt werden. Damit kommt der Überwachung der Anästhesie und Assistenz bei Präventionsmaßnahmen (z.B. zur Vermeidung von Narkosekomplikationen oder Milderung von durch Anästhetika hervorgerufenen Nebenwirkungen auf Herz-Kreislauf, Atmung und andere Organsysteme), eine zunehmend größere Bedeutung zu, die in ihrer Komplexität und Wertigkeit nicht unterschätzt werden sollte.

Die Narkoseüberwachung im Umfeld einer modernen, sich stetig weiter entwickelnden anästhesiologischen Versorgung von Tierpatienten

Anerkannten Anästhesierichtlinien folgend gehört zum fachgerechten Narkosemanagement eine zeitlich engmaschige Überwachung mit alle 5-10 Minuten zu wiederholende Bestimmung der Narkosetiefe. Dies ist notwendig, da sich die Wirkungen der zur Narkose verabreichten Arzneistoffe sehr dynamisch entwickeln und verändern können. In den letzten Jahrzehnten wurden vielfältige neue Narkoseverfahren entwickelt, die entweder auf der Kombination verschiedener Wirkstoffe oder Einsatz verschiedener Techniken (Allgemeinnarkose mit loko-regionaler Anästhesie oder Analgesie) beruhen. Diese modernen Narkoseverfahren komplizieren die Beurteilung der Narkosetiefe. Trotzdem gilt auch hier, dass ohne akkurate Erfassung der Narkosetiefe die Anästhetikaverabreichung nicht angemessen individuell angepasst werden kann, was in der Folge zwangsläufig das Risiko von Komplikationen erhöht. Dank der Entwicklungen in der medizinisch-technischen Industrie stehen heute Geräte zur Erfassung einer Vielzahl von Parametern für die Überwachung der Tiere während der Narkose zur Verfügung: Elektrokardiogramm, Sauerstoffsättigung und Pulsfrequenz (Pulsoximeter), Blutdruck (invasiv und nicht-invasiv (oszillometrisch)); Adäquatheit der Atmung (Kapnometer/Kapnograph), Konzentrationen der Inhalationsanästhetika und anderer Gase in der ein- und ausgeatmeten Luft (Infrarotspektrometer), Blutgasanalyse, Säure-Basen- und Elektrolytkonzentrationen im Blut (Multiparameter-Blutgasanalysegeräte). Insbesondere Multi-Parameter-Monitore setzen sich zunehmend durch, welche die zeitlich engmaschige und zielgerichtete Überwachung der Tierpatienten qualitativ enorm verbessert und bisweilen überhaupt erst eine sichere Narkoseführung mit modernen Anästhesieverfahren erlauben. Da die Hälfte aller anästhesiebedingten Komplikationen und Todesfälle in der Aufwachphase der Tiere auftritt, muss sich eine sorgfältige Überwachung wenigstens von dem Moment der Einleitung der Narkose bis zum Abschluss der Aufwachphase erstrecken und auch die Beurteilung von Schmerzäußerungen und ihre Behandlung einbeziehen.

Die anästhesiologische Versorgung von Tierpatienten - eine Herausforderung für tiermedizinische Fachangestellte schon heute und erst recht morgen

Die Beurteilung der Narkosetiefe unter heutigen Verfahren der Kombinationsnarkose setzen bei TFAs Sachkenntnisse sowohl der Pharmakologie der eingesetzten Arzneimittel als auch der Narkosetechniken voraus. Auch um bei Überwachung der Vitalfunktionen entscheiden zu können, auf welche Parameter es bei einem individuellen Tierpatienten besonders ankommt und mit welchen Monitoren welche Werte zuverlässig gemessen werden können, sind fundierte Kenntnisse erforderlich. Ohne diese können die von einem Multi-Parameter-Monitor gelieferten Informationen (Werte) nicht angemessen interpretiert werden. Moderne Narkosegeräte und die zunehmend technisierte Überwachung verlangen überdies von TFAs, dass sie die von den Maschinen und Monitoren angezeigten Werte auf Plausibilität überprüfen. Weiterhin sollten sie im Hinblick auf das angewandte Narkoseverfahren die Vitalfunktionen des anästhesierten Tieres angemessen und zeitnah beurteilen können, und in der Lage sein, Fehleranzeigen frühzeitig als solche zu erkennen. Auch die Überwachung der Tiere während der Aufwachphase verlangt von TFAs angemessene Kenntnisse über den Gesundheitszustand des zu betreuenden Tieres, des angewandten Narkoseverfahrens, der eingesetzten Analgetika und der während der Narkose erhobenen Vitalparameter. Darüber hinaus sind Fertigkeiten gefragt, um in der unmittelbar postanästhetischen Phase auftretende Probleme schnell zu erkennen und auf sie angemessen reagieren zu können.

Der gestiegenen Erwartungshaltung innerhalb der Öffentlichkeit im allgemeinen, aber auch der Tierärzteschaft selbst, bezüglich einer schonenden und sicheren Anästhesie und schmerztherapeutischen Versorgung von Tieren und den bereits angesprochenen Narkoserichtlinien ist es geschuldet, dass nur sachkundige Personen mit hinreichenden Fachkenntnissen mit der Anästhesie bzw. Anästhesieassistenz betraut werden sollten. Anders als in der Humanmedizin stehen tierärztlichen Einrichtungen auch in absehbarer Zukunft Fachtierärzte für Anästhesiologie und Schmerztherapie nur in sehr begrenzter Anzahl zur Verfügung. Konsequenterweise muss sich das Augenmerk nicht ausschließlich auf die Fort-und Weiterbildung von Tierärzten, sondern auch auf die Weiterbildung von TFAs auf dem Gebiet der Narkoseassistenz richten. Die für eine fachgerechte Nakoseassistenz notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten können in berufsbegleitenden multimodularen Weiterbildungslehrgängen erworben werden. Die Schulung durch Fachtierärzte für Anästhesiologie und Schmerztherapie und gleichqualifizierte Spezialisten stellt sicher, dass TFAs auf ihren Einsatz als Anästhesieassistenten(innen) fachgerecht vorbereitet werden. In Anlehnung an die Humanmedizin, beinhalten umfangreiche Lehrgänge in der Veterinäranästhesie Examina und honorieren bei Bestehen der Prüfung(en) erfolgreiche Kandidaten(innen) mit einem Weiterbildungszertifikat. Im deutschsprachigen Raum gibt es inzwischen mehrere Anbieter wie Improve International, die European School of Advanced Veterinary Studies (ESAVS) oder die Veterinäranästhesieschule für Technikerinnen und Arzthelferinnen (VASTA). Sofern Weiterbildungskurse vom Verband medizinischer Fachberufe und seine AG-TFA als Weiterbildung anerkannt werden, wie der von Narkovet Consulting® in Kollaboration mit der ESAVS angebotene Kurs, werden diese Kurse gemäß den Tarifvereinbarungen des Verbandes medizinischer Fachberufe, Sektion Tiermedizinische Fachangestellte, mit dem Bundesverband Praktizierender Tierärzte auch bei der Zuordnung der Tarifklasse berücksichtigt.

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